Wer braucht den Fachkundenachweis?
Güterkraftverkehr ist die geschäftsmäßige oder entgeltliche Beförderung von Gütern mit Kraftfahrzeugen. Seit dem 27. Februar 2026 brauchen Unternehmen mit Sitz in Deutschland dafür eine Gemeinschaftslizenz (EU-Lizenz), die für bis zu zehn Jahre erteilt wird. Voraussetzung ist unter anderem ein Verkehrsleiter mit Fachkundenachweis.
- Innerdeutsch: Fahrzeuge mit mehr als 3,5 t zulässiger Gesamtmasse – Zugfahrzeug und Anhänger werden zusammengerechnet.
- Grenzüberschreitend und bei Kabotage: seit dem 21. Mai 2022 bereits ab mehr als 2,5 t.
- Werkverkehr – also der Transport eigener Güter mit eigenem Personal als Hilfstätigkeit – braucht keine Lizenz.
Was macht ein Verkehrsleiter?
Jedes Unternehmen muss mindestens einen Verkehrsleiter benennen: eine Person, die die Verkehrstätigkeiten tatsächlich und dauerhaft leitet und zuverlässig sowie fachlich geeignet ist. Bei einem Einzelunternehmen kann das der Unternehmer selbst sein.
| Interner Verkehrsleiter | Externer Verkehrsleiter | |
|---|---|---|
| Wer? | Inhaber, Geschäftsführer, Angestellter oder Gesellschafter mit echter Beziehung zum Unternehmen | Per Vertrag beauftragt – nur, wenn im Unternehmen niemand die Fachkunde hat |
| Grenze | Keine Höchstzahl an Fahrzeugen | Höchstens 4 Unternehmen mit zusammen höchstens 50 Fahrzeugen (EU-Verordnung) |
Zu den Aufgaben, die die EU-Verordnung für den Vertrag mit einem externen Verkehrsleiter nennt, gehören das Instandhaltungsmanagement der Fahrzeuge, die Prüfung von Beförderungsverträgen und -dokumenten, die grundlegende Rechnungsführung, die Zuweisung von Ladungen und Fahrten an Fahrer und Fahrzeuge sowie die Prüfung der Sicherheitsverfahren.
Die vier Voraussetzungen für die EU-Lizenz
- Niederlassung: eine tatsächliche und dauerhafte Niederlassung, unter anderem mit Räumlichkeiten, in denen die wichtigsten Unterlagen zugänglich sind.
- Zuverlässigkeit von Unternehmer und Verkehrsleiter – nachgewiesen unter anderem mit Führungszeugnis und Auskunft aus dem Gewerbezentralregister (jeweils höchstens drei Monate alt).
- Finanzielle Leistungsfähigkeit: Eigenkapital und Reserven von 9.000 € für das erste und 5.000 € für jedes weitere Fahrzeug über 3,5 t, 900 € für jedes weitere Fahrzeug von 2,5 bis 3,5 t. Unternehmen nur mit Fahrzeugen von 2,5 bis 3,5 t: 1.800 € für das erste, 900 € für jedes weitere. Statt Eigenkapital ist z. B. auch eine Bankbürgschaft möglich.
- Fachliche Eignung: die bestandene Fachkundeprüfung bei der IHK.
Ablauf der Prüfung: Teile, Punkte, Bestehen
Die Prüfung ist bundesweit gleich aufgebaut (§ 5 GBZugV, Punkte nach der Muster-Prüfungsordnung der IHKs):
| Teil | Inhalt | Dauer | Punkte |
|---|---|---|---|
| Teil 1 (schriftlich) | Multiple-Choice-Fragen und Fragen mit direkter Antwort | mind. 2 Stunden | 120 |
| Teil 2 (schriftlich) | Übungen und Fallstudien, u. a. Kalkulationsaufgaben | mind. 2 Stunden | 105 |
| Mündliche Prüfung | nur wenn nötig (siehe unten) | – | 75 |
Wann ist die Prüfung bestanden?
- Insgesamt mindestens 180 von 300 Punkten (60 %).
- In jedem Teil mindestens 50 %: also 60 Punkte in Teil 1, 52,5 in Teil 2 und gegebenenfalls 37,5 in der mündlichen Prüfung.
- Haben Sie schriftlich bereits 180 Punkte und in beiden Teilen die 50 % erreicht, entfällt die mündliche Prüfung – Sie haben bestanden.
- Liegt ein schriftlicher Teil unter 50 %, ist die Prüfung nicht bestanden; eine mündliche Prüfung findet dann nicht statt.
Beispiel: Mit 140 Punkten aus beiden schriftlichen Teilen brauchen Sie in der mündlichen Prüfung noch mindestens 40 von 75 Punkten. Erlaubt ist nur ein netzunabhängiger, nicht kommunikationsfähiger Taschenrechner – keine Gesetzestexte.
Prüfungsinhalte: die fünf Sachgebiete
Rechtsgrundlage ist Anhang I der EU-Verordnung 1071/2009. Die IHKs gliedern den Stoff in ihrem Orientierungsrahmen in fünf Sachgebiete mit dieser Gewichtung in den schriftlichen Teilen:
| Sachgebiet | Anteil | Beispiele |
|---|---|---|
| Recht | 25 % | Güterkraftverkehrs-, Gewerbe-, Straßenverkehrs-, Arbeits- und Sozialrecht, Bürgerliches Recht, Handels- und Steuerrecht |
| Kaufmännische und finanzielle Führung | 35 % | Finanzierung, Kostenrechnung, Kalkulation und Beförderungspreise, Buchführung, Versicherungen, Betriebsführung |
| Technische Normen und technischer Betrieb | 15 % | Zulassung, Instandhaltung, Gewichte und Abmessungen, Ladungssicherung, Gefahrgut, Lebensmitteltransporte |
| Straßenverkehrssicherheit | 15 % | Unfallverhütung, Arbeitsschutz, Verkehrssicherheit |
| Grenzüberschreitender Güterkraftverkehr | 10 % | EU- und Drittstaatenregeln, Zoll und Beförderungsdokumente, Verkehrsregeln der Nachbarstaaten |
Den größten Anteil hat der kaufmännische Teil – Kosten- und Preiskalkulation sollten Sie deshalb besonders sicher beherrschen.
Anmeldung, Kosten und Termine
- Zuständig ist die IHK für Ihren Wohnsitz. In manchen Regionen bündelt eine IHK die Prüfungen – prüfen Sie die Zuständigkeit über den IHK-Finder.
- Voraussetzungen: keine. Eine Kurspflicht gibt es nicht.
- Gebühr: je nach IHK rund 200 bis 260 Euro (Stichprobe Oktober 2026).
- Termine: bei Bedarf mindestens einmal im Vierteljahr. Daten und Anmeldeschluss – häufig etwa zwei Wochen vorher – legt jede IHK selbst fest.
- Wiederholung: möglich. Geprüft wird auf Deutsch.
Nach bestandener Prüfung erhalten Sie die Bescheinigung der fachlichen Eignung für den Güterkraftverkehr. Sie hat kein Ablaufdatum und wird in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt – gilt aber nur für den Güterkraftverkehr, nicht für den Personenverkehr mit Bussen.
Geht es auch ohne Prüfung?
Nur in Altfällen. Die IHK stellt die Bescheinigung auf Antrag aus, wenn Sie
- einen gleichwertigen Abschluss haben – etwa Kaufmann/-frau im Eisenbahn- und Straßenverkehr (Schwerpunkt Güterkraftverkehr), Speditionskaufmann/-frau oder Verkehrsfachwirt/-in – und die Ausbildung vor dem 4. Dezember 2011 begonnen hat, oder
- in den zehn Jahren vor dem 4. Dezember 2009 ohne Unterbrechung ein Güterkraftverkehrsunternehmen leitend geführt haben.
Für alle anderen führt der Weg zum Verkehrsleiter über die Fachkundeprüfung.
So bereiten Sie sich vor
Präsenzkurse kosten oft mehrere hundert Euro – die IHK-Akademie München nennt für ihren Live-Online-Lehrgang zum Beispiel 840 € (Stand Oktober 2026). Vorgeschrieben ist ein Kurs nicht. Entscheidend ist, dass Sie Fragen, Fallstudien und Kalkulationen unter Zeitdruck sicher lösen.
Genau dafür gibt es die Lern-App der quickz Academy für den Güterkraftverkehr: über 280 Prüfungsfragen als Karteikarten, 390 Multiple-Choice- und Richtig/Falsch-Übungsfragen, Rechenaufgaben von der Kostenkalkulation bis zur Zinsrechnung und komplette Probeprüfungen, aufgebaut wie die IHK-Prüfung.
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